Die Wirkung von Baldrian im Detail

Die Wirkung des echten Arznei-Baldrian (Valeriana officinalis) ist bekannt: Das Heilkraut wird bei leichten, nervösen Störungen und zur Schlafförderung eingesetzt. Doch worin besteht die Heilkraft? Was genau führt dazu, dass es „wirkt“? Diese interessante Frage liefert spannende Antworten.

Baldrian ist ein altbekanntes Heilmittel, welches bei Unruhezuständen und nervös bedingten Einschlafstörungen angewandt werden kann. Somit fallen auch Erregungszustände und leichte aggressive Tendenzen unter die Wirksamkeit.

Mittlerweile laufen Studien zur Wirksamkeit bei Lernschwierigkeiten, bei einer Konzentrationsschwäche, Reizbarkeit, erhöhtem Stressaufkommen und Spannungszuständen.

Die Wirkung beruht dabei nicht ausschließlich auf psychischer Basis, sondern erstreckt sich auch auf das körperliche Wohlbefinden. So soll Baldrian krampflösend und beruhigend auf den Magen-Darm-Trakt wirken. Besonders in Kombination mit Melisse kann das Heilkraut einen nervösen Magen beruhigen oder in Verbindung mit Johanniskraut für körperliches Wohlbefinden sorgen.

Da ausreichender Schlaf einer der wichtigsten Faktoren für die Gesundheit ist, darf die Wirkung auf die Einschlafphase und die verbesserte Schlafqualität als bedeutsames Element bei der Gabe von Baldrian angesehen werden.

Wie wirkt nun Valeriana officinalis?

Die Wirksamkeit ist eigentlich mit einfachen Worten zu erklären, dazu muss man nur einen Blick auf die Vorgänge im Gehirn werfen. Drei Hormone tragen eine Hauptverantwortung für unser Wohlbefinden.

Melatonin
Cortisol
Serotonin

Was haben Proteine mit dem Schlaf zu tun?

Je müder ein Mensch wird, umso mehr „Müdigkeits-Moleküle“ werden produziert. Doch was passiert, wenn das Gehirn alles mögliche macht, nur nicht die für den Schlaf wichtigen Stoffe herstellt? Dann ist an gesunden Schlaf nicht zu denken. Wissenschaftler fanden kürzlich heraus, dass bestimmte Inhaltsstoffe von Baldrian die Bildung von schlaffördernden Rezeptoren anregen.

Im Prinzip wirken im Gehirn verschiedene Vorgänge, die für Müdigkeit sorgen. So etwa der Botenstoff GABA (Gamma-Amino-Buttersäure) und Adenosin. Es ist noch nicht bekannt, in welcher Form Baldrian das GABA-System reguliert – es ist lediglich belegt, dass es eingreifen kann.

Bezüglich der Nervenzellen-Rezeptoren gelang es Wissenschaftlern herauszufinden, warum Baldrian für eine Verkürzung der Einschlafzeit sorgen kann. Es kann sich an einen  Adenosin-Rezeptor vom Typ A1 binden. Das wiederum sorgt für aufkommende Entspannung und Müdigkeit.

Der enthaltene Wirkstoff

Einer Marburger Arbeitsgruppe fand heraus, dass Baldriane verschiedene Verbindungen aus der Gruppe der Lignane enthalten. Dabei handelt es sich um sekundäre Pflanzenstoffe, die zur Gruppe der Polyphenole gehören. Jetzt gilt es noch herauszufinden, aus welchem Grund das im Baldrian vorkommende Lignan gezielt Rezeptoren sucht und sich daran bindet. Das ist bislang noch nicht erforscht.

Warum dauert es so lange, bis Baldrian wirkt?

Die körpereigenen Vorgänge sind sehr komplex. Während ein chemisches Schlafmittel sofort alle Vorgänge für Schlaf einleiten kann, dauert es bei der Einnahme von Baldrian zwischen zwei und vier Wochen, bevor es zum Wirkungseintritt kommt. Dafür gibt es bei der Heilpflanze – im Gegensatz zur chemischen Medikation – keine Suchtwirkung.

Zudem ist Baldrian kein Schlafmittel, die Wirkstoffe der Pflanze können einen gesunden Schlaf vorbereiten, nicht einleiten. In diesem Zusammenhang sollte noch erwähnt werden, dass Baldrian nie mit anderen Schlaf- oder Beruhigungsmitteln eingenommen werden darf – es sei denn, der Arzt hat es ausdrücklich erlaubt.

 

Bitte beachten Sie, dass diese Seite hier kein Ersatz für den Besuch bei einem anerkannten Arzt sein kann. Bei Baldrian handelt es sich um ein Naturprodukt, welches ebenfalls Nebenwirkungen aufweisen kann. Ich möchte mit diesen Informationen eine persönliche Weiterbildung zum Thema ermöglichen und keine Empfehlung zur Selbstmedikation oder Diagnose aussprechen. Ich übernehme keine Haftung oder Garantie über die Korrektheit und Aktualität der hier dargestellten Informationen. Eine Einnahme von Präparaten erfolgt stets auf eigene Verantwortung! Bitte sprechen Sie zuvor immer mit einem Apotheker oder Ihrem Arzt!