Baldriantinktur – Herstellung, Anwendung, Wirkung

Das natürliche Gemisch der Inhaltsstoffe aus der in Europa und Asien beheimateten Heilpflanze Baldrian (Valeriana officinalis) wird aus mehrjährigen Stauden der stark riechenden Wurzel gewonnen. Die Inhaltsstoffe des Baldrianpräparat wirken beruhigend, schlaffördernd und angstlösend. Die Muskeln werden zusätzlich entspannt.

Arzneibaldrian ist eine uralte Heilpflanze, die seit Jahrhunderten vom Menschen genutzt wird. Während früher meist die Blätter und Blüten verwendet wurden, weiß man heute, dass die hauptsächlichen Wirkstoffe in der Wurzel stecken. Um von den Inhaltsstoffen zu profitieren, müssen diese so aufbereitet werden, dass der Verbraucher den Wirkstoff einerseits gut zu sich nehmen kann, andererseits muss die Bioverfügbarkeit gegeben sein, dazu später mehr.

Im Normalfall wird ein pflanzlicher Wirkstoff als Tablette, Kapsel, Dragee, Frischsaft oder als Tinktur angeboten. Baldrian-Tinkturen haben im Gegensatz zu den anderen Darreichungsformen entscheidende Vorteile und genau um die geht es im folgenden Artikel.

Was ist denn überhaupt eine Tinktur?

Im Grunde ist eine Tinktur ein flüssiger Auszug aus der Heilpflanze. Im Falle von Baldrian werden also die Inhaltsstoffe aus der Wurzel gelöst und in eine flüssige Form gebracht.

Damit der Wirkstoff des Arzneibaldrian genutzt werden kann, muss er extrahiert werden, dafür wird wiederum ein Lösungsmittel benötigt. Die Inhaltsstoffe einer Heilpflanze lösen sich beispielsweise besonders gut, wenn sie mit Ethanol übergossen werden und anschließend einige Wochen ruhen können. Den Vorgang des extrahierens nennt man übrigens “Mazerieren”, das entspringt der lateinischen Sprache und bedeutet übersetzt: “einweichen”.

Alkohol als Lösungsmittel bietet mehrere Vorteile: er entzieht sowohl die wasserlöslichen als auch die fettlöslichen Wirkstoffe einer Heilpflanze. Zudem ist eine Tinktur dank dem hochprozentigen Ethanol lange haltbar und es wird eine optimale Aufnahme bereits durch die Schleimhäute erreicht. Zusammenfassen lässt sich sagen: Immer dann, wenn getrockente Pflanzenteile mit Alkohol angesetzt werden, ist von einer Tinktur die Rede.

Baldriantinkturen

Eine Baldriantinktur basiert exakt auf dem oben beschriebenen Extrahier-Vorgang. Getrocknete Baldrianwurzeln werden mit Alkohol (zwischen 55 – 80 % vol.) übergossen und das Behältnis mit dieser Lösung bleibt einige Wochen verschlossen stehen. Nach dem anschließenden Abfiltern ist die Baldriantinktur fertig. Die Vorteile einer Tinktur sind schnell aufgezählt:

• vereinfachte Einnahme.

Nicht nur ältere Menschen haben ihre Schwierigkeiten, wenn es um das Schlucken von Kapseln geht. Arzneien in flüssiger Form lassen sich in einem Glas Wasser leicht einnehmen. Alternativ kann natürlich auch ein Stück Würfelzucker genutzt werden, um die alkoholische Lösung einzunehmen.

• Bessere Aufnahme

Die Inhaltsstoffe gelangen relativ einfach in den Organismus und können sofort mit der Wirkung beginnen – sie den Abschnitt “Bioverfügbarkeit”

• Einfache Dosierung

Während eine Tablette oder Kapsel eine festgelegte Menge des Wirkstoffes enthält, kann mit der Dosierung einer Tinktur variabel umgegangen werden. Solange die Höchstdosis nicht überschritten wird, lässt sich Baldrian in flüssiger, extrahierter Form individuell nutzen.

Bioverfügbarkeit

Die Bioverfügbarkeit beschreibt, wie hoch der Anteil des Wirkstoffes ist, der auch tatsächlich dort ankommt, wo er ankommen soll. So gelangen beispielsweise bei einer intravenösen Therapie 100 Prozent der Wirkstoffe in den Organismus. Bei einer Baldriantinktur profitiert der Körper ebenfalls von einer guten Aufnahme. Durch den Alkoholgehalt gelangen die Inhaltsstoffe im Durchschnitt nach etwa 15 Minuten an ihren Bestimmungsort, im Falle von Baldrian also ins Gehirn.

Wie schon angesprochen, haben Tinkturen meist eine ausgezeichnete Bio-Verfügbarkeit. Das liegt an der Reinheit der Wirkstoffe – lediglich Alkohol dient als Auszugsmittel.
Nervöse Zustände, innere Unruhe und Einschlafstörungen sorgen nicht gerade für ein allgemeines Wohlbefinden. Wer unter solchen Beschwerden leidet, dem kann ein Baldrianpräparat Linderung verschaffen. Die Darreichungsform als Tinktur ermöglicht ein schnelles Aufnehmen der Inhaltsstoffe in den Organismus, denn diese beginnt bereits nach der Einnahme mit Berührung der Schleimhaut.

Eine Tinktur selber herstellen

Es ist überhaupt nicht schwer, eine Baldriantinktur selber herzustellen. Man benötigt lediglich ein verschließbares Glas, getrocknete Wurzeln des Arzneibaldrian, hochprozentigen Alkohol und etwas Zeit.

Die kleingeschnittenen Baldrianwurzeln werden in das Glas gefüllt und mit dem hochprozentigen Alkohol übergossen. Anschließend wird das Glas verschlossen und höchstens täglich einmal leicht geschüttelt, damit sich die Bestandteile des Arzneibaldrian optimal lösen.

Nach rund sechs Wochen kann die Tintur abgefiltert und neu abgefüllt werden. Idealerweise wird nach dem Filtern eine dunkle Flasche genutzt, um möglichst lange die Inhaltsstoffe zu halten, generell ist eine selbst gemachte Baldriantinktur bis zu einem Jahr haltbar.

Meine Kaufempfehlung

Die Tinktur enthält den Wirkstoff der Baldrianwurzel, im Verhältnis 1:5, was das Verhältnis Alkohol zur Heilpflanze beschreibt. Als Auszugsmittel wird 70prozentiger Ethanol genutzt, was letztendlich einen Alkoholgehalt von 66 Prozent ergibt. Damit ist der Baldrianauszug weder für alkoholkranke Menschen, noch für Kinder, Schwangere, Stillende oder Haustiere geeignet.

Anwendung und Dosierung

Wie bei allen Arzneimitteln sollten die Hinweise des Herstellers zur Dosierung beachtet werden. Ohne ärztliche Anweisung gilt es zudem, die maximale Gesamtdosis nicht zu überschreiten. Der Hersteller Cheplafarm empfiehlt folgende Dosierung:

Bei nervöser Unruhe:

• Jugendliche ab 12 Jahre und Erwachsene: als Einzeldosis einen halben Teelöffel, beschränkt auf zwei bis drei Einzelgaben pro Tag. (1,5 ml)

Bei Schlafstörungen:

• Jugendliche ab 12 Jahre und Erwachsene: 30 Minuten vor dem Schlafen ein Teelöffel. (3 ml).

Bei schwereren Schlafstörungen

• Jugendliche ab 12 Jahre und Erwachsene: 30 Minuten vor dem Schlafen ein Teelöffel (3 ml), zusätzlich vor dem Abendessen ein Teelöffel (3 ml).

Die empfohlene Menge wird entweder in Wasser gegeben, verrührt und dann getrunken. Oder – um dem Geschmack etwas zu entgehen, können die Tropfen in ein Glas roten Traubensaft gegeben werden. Dieser Saft eliminiert den markanten Eigengeruch des Arznei-Baldrians wenigstens etwas.

Das Präparat sollte ohne ärztlichen Rat nicht länger als über einen Zeitraum von zwei Wochen eingenommen werden. Bei länger anhaltenden Beschwerden, die regelmäßig wiederkehren, sollte ein Arzt konsultiert werden.

Auch wenn es schon angesprochen wurde: Da das Präparat Alkohol enthält, muss es vor dem Zugriff durch Kinder gesichert aufbewahrt werden und darf keinesfalls überdosiert werden. Daher sollte eine vergessene Einnahme nicht durch eine doppelte Menge ausgeglichen werden, sondern zum nächsten vorgegebenen Zeitpunkt ganz normal fortgesetzt werden.

Insbesondere bei Kindern und älteren Menschen sollte gewissenhaft auf die Dosierung geachtet werden. Die verordnete Dosierung durch einen Arzt kann durchaus von den Angaben der Packungsbeilage abweichen. Da der Arzt die Dosis individuell auf den Patienten abstimmt, sollte das Baldrianpräparat entsprechend der ärztlichen Anweisung eingenommen werden.

Epileptiker und leberkranke Patienten dürfen die Tinktur ebenfalls nur nach Rücksprache mit dem behandelnden Arzt einnehmen.

Was gegen eine Anwendung der Tinktur spricht

Bei einer bekannten Überempfindlichkeit gegen die Inhaltsstoffe muss von einer Anwendung abgesehen und nach Alternativen geschaut werden. Insbesondere Personen, die unter einer Alkoholerkrankung leiden, dürfen das Präparat in keinem Fall nehmen. Für Kinder unter 12 Jahren ist das Baldrianpräparat aufgrund des hohen Alkoholanteils ebenfalls nicht geeignet. In der Schwangerschaft und der Stillzeit sollte nach derzeitigen Erkenntnissen von einer Einnahme des Arzneimittels abgesehen werden.

Mögliche Nebenwirkungen der Baldriantinktur

Bisher sind keinerlei Nebenwirkungen bekannt geworden. Allerdings kann es bei Personen, die zu Allergien neigen, zu Befindlichkeitsstörungen kommen, die sich auf einen bestimmten Inhaltsstoff zurückführen lassen.

 

Bitte beachten Sie, dass diese Seite hier kein Ersatz für den Besuch bei einem anerkannten Arzt sein kann. Bei Baldrian handelt es sich um ein Naturprodukt, welches ebenfalls Nebenwirkungen aufweisen kann. Ich möchte mit diesen Informationen eine persönliche Weiterbildung zum Thema ermöglichen und keine Empfehlung zur Selbstmedikation oder Diagnose aussprechen. Ich übernehme keine Haftung oder Garantie über die Korrektheit und Aktualität der hier dargestellten Informationen. Eine Einnahme von Präparaten erfolgt stets auf eigene Verantwortung! Bitte sprechen Sie zuvor immer mit einem Apotheker oder Ihrem Arzt!