Wissenschaftliche Studien zu Baldrian

Lange Zeit rätselten Forscher, welcher Inhaltsstoff genau für die Wirksamkeit der Heilpflanze Baldrian verantwortlich ist. Die Arbeitsgruppe von Prof. Christa Müller des Instituts für Pharmazeutische Chemie der Universität Bonn fand es schließlich heraus: Es ist ein hydrophiles Lignan, welches an den Adenosin-1-Rezeptor im Gehirn andockt. Die Stelle also, an die sich auch das Schlafhormon Melatonin bindet.

Übrigens steuert auch der Wirkstoff Koffein dort an, doch im Gegensatz zum Baldrian wirkt Kaffee aufmuntert, da sich die Wirkung einfach umkehrt.

Quelle:

http://www.pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=26348

Studie mit Fruchtfliegen

Die schlaffördernde Wirkung des echten Arzneibaldrian ist zwar schon seit Urzeiten bekannt, doch erst in den letzten Jahrzehnten wurden dazu wissenschaftliche Arbeiten verfasst. So gibt es beispielsweise eine Studie mit Fruchtfliegen, die sowohl mit Baldrian als auch mit Kaffee behandelt wurden. Beide Wirkstoffe konnten in ihrer Bindungsfähigkeit an die Rezeptoren bestätigt werden.

https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/28674253

Die schlaffördernden Eigenschaften wurden in diversen Studien belegt

http://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S009130570300368X

https://www.thieme-connect.com/products/ejournals/pdf/10.1055/s-2006-962221.pdf

Der Gießener Wissenschaftler Prof. Dr. Wilfried Dimpfel (Pharmakologe) nutzte ein Schlaflabor, um über einige Monate hinweg 36 Probanden mit Ein- oder Durchschlafstörungen zu untersuchen. Die Studienteilnehmer waren zwischen 35 und 70 Jahre alt und der Wissenschaftler teilte die Gruppe auf. Eine Gruppe bekam vor dem Zubettgehen ein Scheinmedikament – ein Placebo – die andere Gruppe wurde mit einem Baldrian- Trockenwurzelextrakt versorgt. Während des Schlafens wurden bei den Probanden die Gehirnströme gemessen, die Aufschluss über die Qualität und die Tiefe des Schlafes gaben. Daraus ergab sich, dass die Probanden mit Baldrian deutlich ruhiger und tiefer schliefen als die Kontrollgruppe mit den Placebos.

Der Forscher fasst seine Meinung über die Wirksamkeit von Baldrian in folgendem Dokument selbst zusammen:

https://kfn-ev.de/pressekonferenzen/2010/gesunder-schlaf-phytotherapie-staerkt-die-alltagssicherheit/87-4-dimpfel-statement/file

In Kombination mit Hopfen

Eine klein angelegte Studie mit 30 Probanden zeigt, welch Potenzial in der Kombination Baldrian und Hopfen steckt. Die Studienteilnehmer erhielten am Abend 2 Tabletten mit jeweils 250 mg Baldrian-Extrakt und 60 mg Hopfenextrakt. Alle Probanden berichteten anschließend davon, dass sich die Schlaflatenz – also die Zeit bis zum Einschlafen – verringerte und dass sie sich die Erholung am Morgen deutlich verbessert hatte. Aufgrund dieser Aussagen wird eine groß angelegte Studie vorbereitet.

https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/11003973

Fazit

Dass der echte Arznei-Baldrian wirkt, war nicht die Frage, es wurde lange Zeit um das „wie“ gerätselt. Jetzt, nachdem die Wirksamkeit ihrem Ursprung nach klar ist, können groß angelegte Studien vorbereitet werden. Doch bisher weisen eigentlich sämtliche Untersuchungen daraufhin, dass die Heilpflanze „Valeriana officinalis“ ein Schlafbringer ist, denn sie läutet die Nachtruhe ein.