Mulungu – die Baldrian-Alternative aus dem Regenwald

Baldrian mag eine heimische Heilpflanze sein, die bei Schlafstörungen und nervöser Unruhe ausgezeichnete Dienste leistet – aber sowohl Geschmack als auch Geruch sind doch mehr als gewöhnungsbedürftig.
Wer also weder einen Baldrian-Aufguss noch eine Teezubereitung zu sich nehmen möchte, greift entweder auf Tabletten mit dem Wurzelextrakt der „Valeriana officinalis“ zurück – oder wirft einen Blick über den großen Teich nach Südamerika, hauptsächlich nach Brasilien oder Bolivien.

Dort wächst eine Korallenbaumart mit dem wissenschaftlichen Namen „Erythrina mulungu“ wahlweise auch „Erythrina verna“ bezeichnet – hierzulande als Mulungu bekannt.

Natürliches Schlafmittel

Mulungu wird nicht grundlos als natürliches Benzodiazepin bezeichnet. Das Extrakt aus der südamerikanischen Pflanzengattung ist mit zahlreichen Inhaltsstoffen ausgestattet, die die beruhigende Wirkung erklären. Unter anderem finden sich Flavonoide, zahlreiche nicht-alkaloidale Sekundärmetaboliten und Terpene in der Pflanze. Obwohl die Inhaltsstoffe noch nicht alle identifiziert sind, ist deren Wirkungsweise bekannt. In einigen Kulturen wird Mulungu ähnlich wie hierzulande Valium empfohlen.

Forscher vermuten, dass die beruhigende und schlaffördernde Wirkung auf die Stabilisierung des Gamma-Amino-Buttersäure-Haushalts im Gehirn zurückzuführen ist, also genau dort, wo nervöse Unruhe oft ihren Ursprung hat.

Die Wirkstoffe verteilen sich in der Rinde des bis zu 15 Meter großen Baumes. Heilpraktiker empfehlen Mulungu gerne bei Angstzuständen, bei Schlaflosigkeit – aber auch zur Senkung des Blutdrucks oder als Mittel gegen Herzrasen. Interessant daran, dass Mulungu einen positiven Effekt auf die Leber hat und sogar teilweise bei Leberbeschwerden empfohlen wird. Eine antibakterielle Wirkung rundet das Wirkspektrum der exotischen Heilpflanze ab, deswegen wird sie in den lateinamerikanischen Ländern traditionell bei Erkältungen verabreicht. Sie gilt als fiebersenkend und schmerzstillend.

Die Pflanze

Der Korallenbaum Mulungu gehört zur Familie der Hülsenfruchtgewächse und die Gattung umfasst etwa 100 Arten. Er bildet kleine, rötliche Blüten aus, die von Kolibris bestäubt werden. Die tropischen Erdzonen bilden den Lebensraum der Korallenbäume, hauptsächlich ist er in Brasilien, Bolivien, Peru aber auch in Australien heimisch. Er mag die Ufer der Flussläufe und gedeiht unter der tropischen Sonne.

Sein Samen gilt als giftig und wurde einst sogar als Narkotikum verwendet.
Da die Rinde des Baumes aus pharmakologischer Sicht die höchste Wirksamkeit aufweist, gelangen ausschließlich Rindenstücke in den Handel. Samen- oder Wurzelstücke haben unüberschaubare Eigenschaften beim Konsum, teilweise wirken sie toxisch und sie spielen deswegen keine Rolle auf dem Markt.

Die Wirkung

Neben der schlaffördernden Wirkung deckt der Konsum von Mulungu noch weitere Anwendungsgebiete ab. So wird es traditionell als Mittel gegen Angstzustände und bei leichten Depressionen empfohlen. Auch als Blutdrucksenker und Mittel gegen Herzrasen hat es einen Namen. Aber: ein krankhaft zu niedriger Blutdruck, eine gesteigerte Angst und anhaltende Depressionen müssen definitiv ärztlich behandelt werden – wie bei allen ernsthaften Erkrankungen reicht es nicht, sich im Internet selbst zu informieren, die Diagnose eines Arztes ist bei schwereren Symptomen oder Beschwerden unumgänglich.

Wie wird Mulungu richtig dosiert?

Die Rindenstücke des Korallenbaumes werden geschnitten oder gemahlen angeboten. Bezüglich der Dosierung empfiehlt es sich, mit einer kleinen Menge anzufangen. Bereits ein Teelöffel auf 250 ml heißes Wasser kann absolut ausreichend sein. Bei einigen Personen führt diese Dosis schon zu einer leichten (unangenehmen) Benommenheit. Die durchschnittliche Konsummenge liegt letztendlich bei 2 Teelöffeln der pulverisierten Rinde, die dann zu einem Tee aufgegossen wird.

Eine Überdosierung kann mit einer prekären Benommenheit einhergehen, manche Anwender berichten von einer diffusen Übelkeit, bei manchen verstärkten sich die Angstzustände sogar. An Schlafen ist bei einer Überdosierung nicht mehr zu denken – deswegen: lieber mit wenig anfangen und sich selbst genau beobachten. Reicht die geringe Dosis der Erstanwendung nicht aus, wird diese am nächsten Tag geringfügig erhöht, solange, bis die individuelle Dosierung gefunden ist. Erst dann kann die tropische Heilpflanze voll und ganz wirken.

Die Teezubereitung mit Mulungu

Wer Mulungu als Tee trinken möchte, fügt die abgemessene Menge Mulungu in einen Topf mit 250 ml warmen Wasser und bringt diesen Sud kurz zum Aufkochen. Anschließend wird die Temperatur gedrosselt und die Teezubereitung sollte für 20 Minuten nur noch leicht vor sich hinköcheln. Dabei sorgt ein Deckel dafür, dass die wertvollen Inhaltsstoffe nicht entweichen können. Anschließend wird der Sud gesiebt, fertig ist die Teezubereitung. Die 20 Minuten Kochzeit sind übrigens dann wichtig, wenn ganze Rindenstücke verwendet werden. Denn nur durch den Kochvorgang lösen sich die Inhaltsstoffe aus der Rinde heraus. Bei der gemahlenen Rinde kann der Tee nach einer kurzen Ziehzeit konsumiert werden.

Andere Verwendungsformen

Alternativ lässt sich pulverisiertes Mulungu in leere Kapseln abfüllen, die dann einfach wie Tabletten geschluckt werden können. Eine weitere Form der Einnahme bietet der Verzehr. Da der Geschmack zwar nicht annähernd so „gewöhnungsbedürftig“ wie Baldrian ist, kann von einem kulinarischen Hochgenuss dennoch keine Rede sein. Doch unter einen Joghurt oder im Müsli eingerührt, lässt sich Mulungu verspeisen, denn die Kombination mildert den Eigengeschmack von Mulungu definitiv ab.

Wer sollte Mulungu nicht anwenden?

Schwangere und Stillende sollten auf den Verzehr von Mulungu sicherheitshalber verzichten, es liegen einfach noch keine aussagekräftigen Ergebnisse zu der Heilpflanze aus dem Regenwald vor. Auch bei Kindern und Jugendlichen wird vom Konsum abgeraten. In Kombination mit Alkohol, Rauschmitteln oder Schlafmedikamenten darf Mulungu keinesfalls kombiniert werden.

Da die tropische Heilpflanze blutdrucksenkend wirkt, sollten Menschen, die ohnehin schon einen niedrigen Blutdruck haben, auf den Verzehr des Exoten verzichten. Auch Patienten mit einer Herz-Kreislauf-Störung verzichten sicherheitshalber auf die Rindenstücke und bleiben beim Baldrian.

Mit Baldrian oder Mulungu gegen Nikotin?

Rauchen ist gesundheitsschädlich, das ist allgemein bekannt. Dennoch schaffen es viele Raucher nicht, einfach so auf den Glimmstängel zu verzichten. Die, die dem blauen Dunst abschworen, bezeichnen sich während des „Entzuges“ gerne selbst als reizbar, launisch, fast schon unausstehlich. Gemeinhin wird gesagt, dass die schwerste Zeit der Entgiftung die ersten drei Wochen sind. Doch innerhalb von drei Wochen kann ein reizbarer und übel gelaunter Mensch eine Menge Schaden in seinem sozialen Umfeld anrichten.

Eine Möglichkeit, seiner Reizbarkeit beizuwohnen, ist Baldrian. Die Heilpflanze wirkt beruhigend und entspannend. Der Nikotinentzug mag dennoch kein Spaziergang sein, doch mit Baldrian können einige unangenehme Gefühswallungen aufgefangen werden.

Mit Mulungu kann sogar der Verzicht auf Nikotin erleichtert werden. Derzeit laufen Untersuchungen, ob Mulungu ein wirksames Hilfsmittel ist. Es scheint so, als docken die Inhaltsstoffe an den Rezeptoren im Gehirn an, die für die Nikotinsucht verantwortlich sind. Erste Studien und Erfahrungsberichte belegen die Wirksamkeit im Kampf gegen den blauen Dunst, doch fundierte wissenschaftliche Belege stehen noch aus.

Bitte beachten Sie, dass diese Seite hier kein Ersatz für den Besuch bei einem anerkannten Arzt sein kann. Bei Mulungu handelt es sich um ein Naturprodukt, welches ebenfalls Nebenwirkungen aufweisen kann. Ich möchte mit diesen Informationen eine persönliche Weiterbildung zum Thema ermöglichen und keine Empfehlung zur Selbstmedikation oder Diagnose aussprechen. Ich übernehme keine Haftung oder Garantie über die Korrektheit und Aktualität der hier dargestellten Informationen. Eine Einnahme von Präparaten erfolgt stets auf eigene Verantwortung! Bitte sprechen Sie zuvor immer mit einem Apotheker oder Ihrem Arzt!