Baldrian und Katzen

Baldrian ist sicher eine der bekanntesten Heilpflanzen überhaupt. Im Zusammenhang mit der Pflanze ist es wichtig, dass es nicht den einen Baldrian gibt, sondern dass es sich um eine ganze Pflanzengattung handelt, die mindestens 150 Baldrianarten beinhaltet. Geht es um die Wirkung, ist die Rede vom Arznei-Baldrian, dem echten Baldrian oder um Valeriana officinalis.

Unsere beliebtestes Haustier reagiert wirklich erstaunlich auf den Baldrian

Interessant in diesem Zusammenhang, dass die mehrjährige, krautige Pflanze beim Menschen eine äußerst beruhigende Wirkung hat und bei anderen Spezies einen berauschende Effekt zeigen kann. Bestes Beispiel: Katzen. Die meisten Samtpfoten scheinen vor Glück ganz aus dem Häuschen zu sein, wenn sie an Baldrian schnuppern. Natürlich, es gibt Ausnahmen.

So mancher Stubentiger gähnt gelangweilt, wenn man ihm ein mit Baldrian gefülltes Kissen unter die Nase hält und einige Vertreter werden fast schon aggressiv. Doch die meisten Katzen lieben Baldrian und benehmen sich wie berauscht. Doch was genau führt zu dieser Verzückung? Und kann Baldrian Katzen süchtig machen? Immerhin benehmen sich Katzen nach dem „Schnüffelgenuss“ wie im Drogenrausch, ob das wohl gesund für das Tier ist?

Katzen als Qualitätsmanager

Ein kleine Anekdote aus dem Geschichtsbuch verrät, wie einst die Wirksamkeit von Baldrian „getestet“ wurde: Einige Apotheker, die im 18. Jahrhundert agierten, hielten sich Katzen. Einerseits dienten die Tiere als Mäusefänger, andererseits wurde anhand der Reaktion der Tiere auf Baldrian die Qualität bestimmt. Drehten sich die Samtpfoten gelangweilt ab, taugte die Heilpflanze offensichtlich nur wenig. Brach die Katze in höchste Glückseligkeit aus, handelte es sich vermutlich um ein hochwirksames Kraut. Heute gibt es natürlich andere Methoden, die Qualität von Arznei-Baldrian einzuschätzen, aber interessant ist es allemal, wie einst Katzen den Apothekern halfen.

Die Reaktionen von Katzen auf Baldrian

Rund 60 Prozent der Katzen reagieren auf Baldrian höchst ungewöhnlich. Bietet man ihnen beispielsweise ein Baldriankissen an, scheint ihre Welt ausschließlich aus diesem Gegenstand zu bestehen. Sie wälzen sich hin und her, das Kissen hingebungsvoll zwischen den Pfoten. Sie reiben ihren Kopf daran, sie maunzen selig vor sich hin, sie lecken wie wild daran herum. Manche Katzen tragen das „Wundermittel“ in eine Ecke, um sich ganz ungestört daran zu ergötzen.

Es gibt auch Katzen, die das Schnuppern an Baldrian in eine Art selige Starre versetzt. Die Tiere wirken völlig berauscht, starren vor sich hin und scheinen sich in einer anderen Welt zu befinden. Nur wenige Stubentiger fühlen sich bärenstark, nachdem sie an Baldrian schnupperten. Ihr einziges Ziel für die nächsten Minuten besteht offensichtlich darin, ihre Krallen und Zähne möglichst oft einzusetzen – sie sind außer Rand und Band geraten, sprich – sie leben ihre Aggressionen aus.

Nur wenige Vertreter der Katzen scheinen immun gegen Baldrian zu sein – aus welchem Grund das so ist, kann die Wissenschaft noch nicht erklären.

Warum flippen Samtpfoten so aus?

Die Wurzel des auch als Stinkwurz oder Katzenkraut bekannten Baldrian enthält unter anderem Valepotriate, die eine gewisse Ähnlichkeit in der Wirkung aufweisen, die der Katzenminze ähnelt: Nepetalacton. Chemisch betrachtet handelt es sich dabei um Iridoid-Monoterpen. Es wirkt auf rund 50 bis 60 Prozent der Katzen wie ein Halluzinogen.

Es gibt Stimmen, die verlauten lassen, dass der Duft dem Sexualstoff ähnelt, den weibliche Katzen während der Rolligkeit ausströmen – allerdings benehmen sich sowohl weibliche als auch männliche Tiere wie im Drogenrausch, von daher ist diese Theorie umstritten. Übrigens kann auch die menschliche Nase das „Bouquet“ gut aufnehmen – doch während der Geruch im Katzengesicht die Sonne aufgehen lässt, geht sie beim Menschen eher unter. Der Duft erinnert an stark riechenden Käse, der seine besten Tage schon etwas hinter sich hat.

Ist Baldrian gefährlich für Vierbeiner?

Wenn die Samtpfoten hin und wieder an einem mit Baldrian gefüllten Beutel schnuppern, ist Baldrian ungefährlich. Zerkauen sie jedoch die äußere Hülle und fressen aus lauter Begeisterung den mit Baldrian getränkten Füllstoff, kann das tödliche Folgen haben.

Deswegen empfiehlt es sich nicht, auf die allzu günstigen Angebote in den diversen Tierfachgeschäften zurückzugreifen, denn diese sind gerne mit einem leichten Stoff bestückt, der nur allzu schnell durchgebissen ist. Wer jetzt jedoch glaubt, er geht den richtigen Weg und kauft das Baldriankissen für die Katze in der Apotheke, macht einen Denkfehler – denn hier besteht das Innere oft aus Baldrian und Alkohol, ebenfalls nichts für den Stubentiger.

In welcher Form lässt sich Baldrian für die Katze nutzen?

Das „Schnüffeln“ an Baldrian sollte ein gelegentliches Vergnügen für die Katze sein. Bestenfalls gibt man einen Tropfen einer Baldrian-Tinktur (ohne Alkohol) auf das Lieblingsspielzeug des kleinen Tigers und gönnt ihm sein fünf- bis zehnminütiges Vergnügen, länger dauert der „Rausch“ normalerweise nicht an. Es gibt auch spezielle Sprays mit Baldrian, die noch einfacher in der Handhabung sind. Oder man nutzt die Möglichkeit, frische Baldrianwurzeln zu verwenden und diese mit etwas Füllstoff selbst in einen Beutel einzunähen, doch unbeaufsichtigt sollte die Katze beim „Hantieren“ mit solch einem Beutelchen nicht sein.

Baldrian hat übrigens im Futter nichts zu suchen, denn es wirkt in höheren Dosen leberschädigend. Wenn Baldrian verabreicht werden soll, dann ausschließlich auf Rat eines Tierarztes, der dann zugleich die korrekte Dosierung bestimmt.

 

Bitte beachten Sie, dass diese Seite hier kein Ersatz für den Besuch bei einem anerkannten Arzt sein kann. Bei Baldrian handelt es sich um ein Naturprodukt, welches ebenfalls Nebenwirkungen aufweisen kann. Ich möchte mit diesen Informationen eine persönliche Weiterbildung zum Thema ermöglichen und keine Empfehlung zur Selbstmedikation oder Diagnose aussprechen. Ich übernehme keine Haftung oder Garantie über die Korrektheit und Aktualität der hier dargestellten Informationen. Eine Einnahme von Präparaten erfolgt stets auf eigene Verantwortung! Bitte sprechen Sie zuvor immer mit einem Apotheker oder Ihrem Arzt!